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23. Dezember 2008

Erneut 97-Parker-Punkte für Chile – Carmenère Carmin de Peumo

Von Winfried  de  Bernard du Breil – In seiner zweiten Auflage erhielt der Carmenère  „Carmin de Peumo“ 2005 von Ignacio Recabarren jetzt von Robert Parker die phantasitische Note von 97 Punkten -  die gleiche Punktzahl, die Robert Parker bereits für den Vorgängerjahrgang 2003 - die Erstauflage – verteilt hatte. (Anmerkung: Der 2004er wurde nicht produziert, weil er Recabarren nicht gut genug war.)

Ignacio Recabarren ist eine hochinteressante Persönlichkeit.  Er studierte von 1970 bis 74 an der katholischen Universität von Santiago bei den Professoren Alejandro Hernandez und Mario Espinoza Önologie, hatte es aber ungeachtet vieler Empfehlungen durch die beiden nicht leicht, nach seinem Abgang eine gute Stelle zu finden. Trotz vieler Bewerbungen passierte ein ganzes Jahr nichts.  In seiner eher verzeifelten Situation ging er eines Tages in eine Kirche in Viña del Mar und bat um höhere Hilfe. Drei Tage spaeter rief ihn sein Vater an und teilte ihm mit, dass Viña Santa Rita sich gemeldet haette und man ihn sofort einstellen wolle.  Es war der Beginn einer grossartigen Karriere.

Ignacio ist eher ein Einzelgaenger – es ist nicht sehr einfach mit ihm zusammen zu arbeiten, meinen zumindest seine Kollegen – aber mit klaren Visionen und großer Leidenschaft fürs Detail, immer darauf bedacht die Qualität des Produktes auf maximale Höhen zu trimmen.  In den achtziger Jahren war er einer de „Reformer“ des chilenischen Weinstils und führte moderne Techniken ein, die bis heute Geltung haben.

Als er Santa Rita Ende der achtziger Jahre verließ, ging er nach Neuseeland um hier zu lernen, perfekten Sauvignon Blanc zu keltern. Bereits im chilenischen Casablanca Tal hatte er zusammen mit Pablo Morandé sehr erfolgreich mit dieser Rebsorte  „experimentiert“.  Seine in Ozeanien gemachten Erfahrungen setzte er nach der Rückkehr in die Heimat um. Morandé konnte ihn überzeugen, 1995 eine Kooperation mit Concha y Toro einzugehen, ohne seine beratenden Dienste für Dritte aufgeben zu müssen. Die Arbeit hatte viele Vorteile, denn er erhielt hier Zugriff auf  Trauben aus allen Anbaugebieten  Chiles – nur das Feinste vom Feinen suchte er sich aus.  Es war auch die Geburtsstunde des jetzt prämierten Carmenères aus dem Fundo Peumo.  Bereits 2002 hatte Ignacio geäußert, dass der Carmenère dieser Lage nicht nur einen guten Wein ergebe, sondern eines Tages zur Weltspitze zählen könne. Ganz falsch lag er damit wohl nicht, zumindest nach robert Parker zu urteilen.

Auf die Frage eines Journalisten, was er in Zukunft mache werde, antwortete er kürzlich schmunzelnd: „Ich bin noch nicht reif fürs Museum … es gibt noch viel zu tun in Chile“. (Anmerkung: Vom Jahrgang 2003 des Weins gabe es 500 Kisten, vom 2005er sind es 1.000.)


Winfried, erst einmal Frohe

Winfried,

erst einmal Frohe Weihnachten nach Chile. Ich hatte vorgestern abend Gelegenheit, den 2002er Clos Apalta zum Abendessen zu trinken: Ein wirklich grandioser Wein, der hier in Schloss Ellmau (zwischen Garmisch-Partenkirchen und Mittenwald) für 119 Euro auf der Karte stand. In dieser Qualitätsklasse lag die Konkurrenz etwa beim Doppelten und darüber.

Das ist eben der derzeit unschlagbare Vorteil Chiles (und auch Südafrikas): Auch im Super-Super-Premium-Bereich sind die Weine noch einigermaßen erschwinglich. Vielleicht kann CyT ja man zwei Probeflaschen von dem Carmin de Peumo nach Hamburg schicken.

Oder die Chilenen – Hallo, hört mich jemand! – organisieren mal wieder eine wirklich große, umfassende Probe der aktuellen Jahrgänge. Das wäre mir auf ENO WorldWine auf jeden Fall mal wieder einen großen Verkostungsreport wert.

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