WorldWine Editorial

Parker und (k)ein Ende

"Mit Parker ist man gut informiert", lautet der Titel einer Vorstellung des neuen Parker'schen Weinguide auf den Internet-Seiten des "blitz-magazins" von Eckhardt Badziong. Nun, glaubt man eine Reihe von Veröffentlichungen der letzten Zeit in Printmedien oder im Internet, dann darf man an diesem Satz zumindest begründete Zweifel anmelden. Der Hamburger Weinjournalist Mario Scheuermann hat sich jüngst einmal des Deutschland-Kapitels von Parkers neuestem Wein Guide angenommen und eine wahre Flut an fehlerhaften, veralteten oder schlicht aberwitzigen Passagen ausfindig gemacht. Da werden Weingüter aufgeführt, die es schon lange nicht mehr oder nicht mehr unter diesem Namen gibt, da werden Weingüter zweimal unter verschiedenen Namen gelistet, da werden die deutschen Spätburgunder als Pleurre abgetan und die trockenen Weißen als untrinkbar oder zumindest uninteressant.

Nun muss man kein besonders engagierter Patriot sein, um hier Gänsehaut zu bekommen, und so mancher italienische Kollege, darauf angesprochen, hatte vollstes Verständnis für die "deutsche" Klage, ging es dem italienischen Weinbau doch bis vor kurzem genau so. Es ist also nicht bloßer Neid, wenn mehr und mehr Weinpublizisten in Deutschland und anderswo gegen Parker ins Feld ziehen. Neidisch könnte man allenfalls bei dem Gedanken werden, dass jemand wie Parker mit diesen - mit Verlaub gesagt - bodenlosen Schlampereien auch noch jede Menge Geld verdient, während viele Kollegen, die zumindest versuchen, ihre Arbeit ordentlich zu erledigen, sich mit mickrigen Zeilenhonoraren zufrieden geben müssen. 40.000 Abonnenten bei einem Abopreis von 50 $ im Jahr, das macht immerhin 2 Mio $ Umsatz, die Tantiemen aus Büchern, dem Internet etc. noch gar nicht gerechnet. Da könnte sich Parker doch zumindest einen armen, des Deutschen mächtigen Studenten leisten, der ihm die Namen und Schreibweisen kontrolliert ....

Natürlich ist Parkers Schlamperei eine Unverschämtheit gegenüber den deutschen Winzern, von denen wohl der eine oder andere erwägt, gerichtlich gegen das Machwertk des Wein Guides vorzugehen, wie kürzlich im Internet zu lesen war. Aber sie ist eine viel größere Unverschämtheit gegenüber den Lesern, die sich auf die Parker'sche "Bibel" verlassen und damit wohl zumindest über weite Strecken buchstäblich verlassen sind. Man stelle sich den armen Teufel vor, der krampfhaft versucht, eine Flasche der von Parker gelobten, edlen Gewächse zu ergattern und vielleicht nach dem fünfzehnten Versuch entnervt lernen muss, dass er einem Phantom nachgejagt ist.

Nun ist allerdings der gigantische Einfluss ("Bibel"), den man Parker nachsagt, gar nicht alleine auf seine Publikationen zurückzuführen. Eine Zeitschrift mit einer Auflage von 40.000 Exemplaren (weltweit) ist als Multiplikator und Kommunikator von eher kläglicher Statur. Eine einzige Fernsehsendung in einem einzigen Land erreicht meist ohne Mühe das Vielfache. Parkers Einfluss ist deshalb so gigantisch, weil er im Weinhandel willfährige (und gut bediente?) Multikplikatoren gefunden hat. Es gibt in den USA kaum ein Weingeschäft, in dem nicht neben den Preisschildern bei jedem Wein auch ein Kärtchen zu finden ist "96 Parker-Punkte", "87-Parker-Punkte", etc. Auch der deutsche Weinhandel spielt dieses unsägliche Spiel schon seit langem mit, und so kommt es eben, dass Parkers Empfehlungen nicht nur von seinen 40.000 Lesern befolgt werden, sondern von einem Millionenpublikum in aller Welt.

Diese Tatsache macht aber auch deutlich, wie man sich des idiotischen Einflusses einer einzigen Person mit ihrem durchaus begrenzten Kenntnishorizont rasch und problemlos entledigen könnte: Es reichte, aus Parker einen Non-Event zu machen, seine Bewertungen nicht mehr zu zitieren, ihn nicht mehr zu kritisieren oder besser, gar nicht mehr zu erwähnen, und vor allem seinen Ratschlägen nicht mehr zu folgen. Dann  würde sich das Phänomen Parker ganz schnell auf das reduzieren, was es in Wirklichkeit ist: das eines nicht allzu häufig gelesenen Amerikaners, der gerne Bordeauxwein trinkt. Auf den Seiten von Eno WorldWine jedenfalls - dramatische Ereignisse einmal ausgenommen - wird Parker in Zukunft nicht mehr "stattfinden".

 


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