WorldWine News

Misst Robert Parker mit zweierlei Maß? - Journalismus und Ethik


(29.04.2009) -  

Während der amerikanische Weinpapst Robert Parker mit seinen überzogenen Bewertungen des Bordeaux-Jahrgangs 2008 wieder einmal die Weinwelt in Aufregung versetzt, läuft in den USA, mehr im Verborgenen, eine Diskussion, die weit aufschlussreicher für die Publikationspolitik des Gurus ist als seine aktuelle Notengebung. Tyler Colman, der unter dem Namen Dr. Vino bloggt, hat Parker Mitte April in einem sehr vorsichtig formulierten Artikel vorgeworfen, bei seinen selbst verfassten ethischen Richtlinen (wein)journalistischer Arbeit mit zweierlei Maß zu messen. Colman zitiert in seinem Beitrag ausführlich aus der jüngsten Edition des Wine Buyer's Guide, in der Parker postuliert: "Es ist unabdingbar für einen Weinkritiker, dass er seine Kosten selbst trägt. Einladungen mit bezahlten Flugtickets, Hotelzimmern, etc. sollte man nie annehmen ...".

Colman weist dem selbsterklärten Ethiker jedoch nach, dass zumindest seine Mitarbeiter, die ja den übergroßen Teil der unter dem Namen Parker veröffentlichten Verkostungen erledigen, durchaus in mehreren Fällen bezahlte Reisen etc. akzeptierten. Parker, den Colman mit diesem Vorwurf konfrontierte, erwiderte, ohne "mit der Wimper zu zucken", was seine Mitarbeiter täten, könne er nicht kontrollieren und es ginge ihn auch nichts an. Er erstatte ihnen eventuell anfallende Kosten zurück und basta! Sie hinsichtlich seiner eigenen ethischen Richtlinien zu kontrollieren, halte er für "faschistisch". So einfach kann man es sich also machen, wenn man Robert Parker heißt.


Kommentieren Sie diesen Artikel / Your comment

CAPTCHA

Bitte tragen Sie die untenstehenden Zeichen in das Eingabefeld ein. Captcha hilft uns bei der Vermeidung von automatisierten Eingaben.