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Pressespiegel - Ösi-Parker und schwache Kalifornier


(27.07.2002) -  

Robert Parkers Adjutant Rovani hat für die jüngste Ausgabe des Wine Advocate eine Reihe österreichischer Weingüter unter die Lupe genommen und deren Weine verkostet. Wirkliche Überraschungen, sagen wir es gleich vornweg, gab es dabei nicht. Dass die Weine des Süßwein-Spezialisten Alois Kracher vom Neusiedlersee den amerikanischen Geschmack treffen, ist schon seit einiger Zeit bekannt. Logisch also die Spitzen-Bewertungen mit sieben von 10 Weinen oberhalb der 95-Punkte-Grenze. Gleich zwei 99er Weine (TBA Scheurebe Nr. 9 und TBA Welschriesling Nr. 10) bekommen die Spitzennote 98+.

Auch eine kleine Gruppe weiterer Klassiker wird recht gut benotet: Emmerich Knoll zum Beispiel mit zwei 95-Punkte-Weinen (97er GV Smaragd Loibenberg und Schütt) oder F. X. Pichler mit einem 96- und einem 97-Punkte-Wein (97er Riesling Smaraged Kellerberg und 2000er Riesling Unendlich), dazu noch Hirtzberger, Alzinger, Hiedler, Hirsch, Gross, Bründlmayer, Nigl und Nikolaihof. Ein wenig erstaunlich - zumindest nach den Resultaten unserer eigenen Verkostungen - sind die sehr hohen Bewertungen der Weine von Prager (drei Mal 95 und mehr), während die 98 Punkte für den 99er Ausbruch Elysium von Heidi Schröck nicht überraschen (siehe unser letztes Highlight).

Eher mager fallen dagegen die Bewertungen für den Steirer Manfred Tement (seine 2001er Sauvignons waren bei unseren jüngsten Verkostungen wieder grandios!) und den Wiener Fritz Wieninger aus. Was aber viel schwerer wiegt ist, dass fast alles, was es in den letzten Jahren in der Alpenrepublik an Newcomern insbesondere im Rotweinbereich oder in Weinbaugebieten abseits der ausgetretenen Trampelpfade gegeben hat, bei Parker schlichtweg nicht vorkommt. So etwas nennt sich dann aktuelle Information!

Interessant ist - in derselben Ausgabe des Wine Advocate - die Zusammenstellung der größten Bordeaux-Weine seit 1978 Château für Château. Von jedem werden die besten und die enttäuschendsten Jahrgänge genannt, ergänzt durch ein stichwortartiges Kurzportrait. Interessant ist, das auch eine Reihe von 2000er-Weinen - von Parker zum Super-Jahrgang schlechthin erklärt - unter "größte Enttäuschungen" aufgelistet sind, so L'Arrosée, Cos d'Estournel, Haut Marbuzet (s. unten bei Decanter für den 99er Jahrgang) oder Rauzan-Ségla.

Ebenfalls interessant ist die Vergleichsmöglichkeit zwischen den Jahrgängen 1989 und 1990, bei denen sich noch heute die Experten streiten, welches der bessere der beiden war. Nach der Aufstellung Parkers zu urteilen, geht der Wettstreit zu Gunsten des 90ers aus, der weitaus weniger Enttäuschungen, aber dafür fast ebenso viele positive Erwähnungen auf sich zieht wie der hochgerühmte 2000er.

Weit weniger enthusiastisch als bei seinen Bordeaux-Bewertungen und deutlich schwächer als die Noten, die Rovani in Österreich verteilt, sind die Resultate der Verkostungen kalifornischer Weine durch den Guru selbst. Mehr als 95 Punkte gibt es praktisch nicht - einzige Ausnahme ist der 98er Reserve Cabernet von Pride Mountain Vineyards im Napa Valley - und auch nur wenige Weine kommen der 95-er Schwelle bis auf einen Punkt nahe (99er Cab franc von Pride Mountain Vineyards, 98er Claret von Robert Foley sowie der 2000er Chard Sweeney Canyon von Brewer-Clifton). Weingüter wie Au Bon Climat, Babcock, Lane Tanner und andere, deren Weine nicht ganz so mächtig ausfallen wie es dem kalifornischen Stil entspricht, schneiden eher enttäuschend ab.


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