WorldWine Reportage

August 2008

live von der Cape Wine 2008

von Eckhard Supp

 
 
Dieser Reisebericht entstand dank der großzügigen Hilfe von WOSA, Wines of South Africa. Die kompletten Verkostungsnotizen wurden in Form eines ausführlichen Verkostungsreports veröffentlicht. In den Weinhighlights finden Sie darüber hinaus die besten Weine der 2008er-Selektion der Cape Winemakers Guild auf, die wir in Hamburg verkosten konnten.
 
 

27. September

 

Land's End - Auch am südichsten Punkt Afrikas werden seit wenigen Jahren Weinreben kulitiviert. Elim heißt das Anbaugebiet bei Cape Agulhas, wo Atlantik und Indischer Ozean aufeinander treffen. Es hat sich vor allem mit frischen, festen und mineralischen Weißweinen einen Namen gemacht. Eine Landschaft zum Genießen. (Fotos: E. Supp)
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Bouillabaisse kurz vor der Antarktis

(Elim, 13:50 h) - Bei Cape Agulhas - und wirklich erst hier - ist Afrika zu Ende. Auch wenn die meisten glauben, das Kap der Guten Hoffnung sei der südlichsten Punkt des Kontinents, so ist es doch dieses Stück Land, das "suidelikste", wie wir auf einem Schild lesen, das am weitesten in Richtung Antarktis ins Meer ragt. Dass hier Reben wachsen sollen, halte ich auf der langen Anfahrt von Stellenbosch für eine Erfindung schlauer PR-Strategen, aber dann tauchen die Rebzeilen tatsächlich auf, und wir sind am Ziel. Die Handvoll Erzeuger dieses Anbaugebiets verstehen sich prächtig untereinander und organisieren uns ein irres Mittagessen: Tolle Austern, eine geschmackvolle Bouillabaisse, Lamm, das nach Lamm schmeckt, ein Abalone-Ragout im Reisring und noch ein Rostbeef am Stück. Ich kann mich, überfüttert, wie ich bin, gerade noch auf die Terrasse schleppen, um das hier zu schreiben. Gastfreundschaft ist in Südafrika wirklich keine leere Worthülse, und die Kerle hier freuen sich wirklich, dass wir aus allen Ecken der Welt zu ihnen gekommen sind.

Ein letzter, großartiger Ausflug zum südlichsten Punkt Afrikas, Cape Agulhas, den wir mit einem Schluck Weißwein der Elim-Winzer beschließen, und ein letztes Abendessen mit kleiner Verkostung im Kreis der deutschen Kollegen, die die Cape Wine besuchten, und das war es. Goodbye Africa! Thank you, WOSA!

Wie viele Sterne?

(Stellenbosch, 08:30 h) - Einer der deutschen Kollegen, Niko Rechenberg, stellte diese Frage gestern im neuen Restaurant des Weinguts Rust en Vrede (vor 10 Monaten eröffnet). Nein, es ging nicht um die Sterne am Himmel über Stellenbosch, sondern darum, ob die Leistungen von Küchenchef David Higgs und seiner Mannschaft einen Stern verdienten oder nicht. Bei den Vorspeisen hieß das einmütige Verdikt "ja", meine ungemein aromatische Erbsensuppe hätte sogar zwei verdient, beim Fischrisotto ebenfalls, und für die Desserts gab es dieselbe Note. Lediglich die Lammkoteletts fanden wir alle etwas bieder - gut, aber ohne aromatische und geschmackliche Finesse. Summa summarum aber war Rust en Vrede für die meisten von uns mit Abstand das kulinarische Highlight der Reise. Kompliment David!!

26. September

Wer hat mehr Geld? Wer gibt mehr aus?

(Stellenbosch, 18:00 h) - Die Frage stellte sich der Fahrer des Minibuses, der mich zum Gut des Golfprofis Ernie Els brachte, konnte sie aber nicht beantworten. Wir hatten über Quoin Rock und Ernie Els gesprochen und gerätselt, wer wohl mehr Geld in die Landschaft rund um Stellenbosch gegossen hat. Der Tipp des Fahrers war ganz pragmatisch: Er kannte den mit Ziegeln gepflasterten Weg zum Weingut Ernie Els und meinte, der hätte bestimmt eine Unsumme gekostet. Ich tippte, angesichts der gigantischen Keller und der ausladenden "mansion", dem Wohn- und Gästehausensemble auf der Bergkuppe, eher auf Quoin Rock. Aber schließlich: Wenn ein in England lebender Golfprofi einen kleinen Teil seiner Millionen in der alten Heimat investiert und damit eine ganze Reihe Arbeitsplätze schafft, dann ist das ja etwas sehr Positives.

Und dann waren ja noch die großartigen Weine, die von Quoin Rock, die ich bereits vor einigen Tagen kennenlernen konnte, und die von Ernie Els, die ich heute verkostete. Schon die "Basis"linie Guardian Peak bot eine ganze Palette guter bis sehr guter Gewächse, an der Spitze der Cabernet Sauvignon Lapa 2006 (dichtes Rubinrot, Paprikaschote, medizinalische Noten, Minze und schwarze Beeren, dicht, saftig, fest von jungem aber perfekten Tanninen, süßer Extrakt im Finish, schöner Abgang, sehr lebendiger, feiner Wein). Von selten gesehener, gleichmäßiger Qualität waren dann die drei Spitzenweine des Gutes, der Syrah Cirrus (intensives Rubinrot, sehr markante Frucht mit etwas gerösteten Walnüssen, dicht, fest, tiefe Retroaromen, sehr guter Wein mit eigener Persönlichkeit), der Engelbrecht Els Proprietor's Blend (dickes Brombeerrubin, sehr verschlossen in der Nase, am Gaumen sehr kompakte, frische Tanninstruktur, perfekte Balance, gute Länge im Finish, braucht noch viel Zeit), beide aus dem Jahrgang 2006, und schließlich der teuerste, aber etwas schwächere der drei, der 2004er Ernie Els Limited Release (intensives Rubinrot, feine, süße Fruchtaromen, am Gaumen fest, stoffig und kräftig, gute Länge im Abgangintensives Rubinrot, feine, süße Fruchtaromen, am Gaumen fest, stoffig und kräftig, gute Länge im Abgang).

Weingut Thomas Hagenbucher - Baden (Deutschland)
Friedrichstrasse 36 - 75056 Sulzfeld
Tel: 07269-911120, Fax: 07269-911122, E-Mail: info@weingut-hagenbucher.de, Homepage: www.weingut-hagenbucher.de
Besitzer: Thomas Hagenbucher
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Ein voller Erfolg war auch der Besuch bei Rijk Melck auf dem Weingut Muratie, das ich im Februar 2002 schon einmal besucht hatte. Die Spinnweben im Verkostungsraum stehen wohl inzwischen unter Denkmalschutz und gelten als so etwas wie das Markenzeichen von Muratie. Bei den Weinen gab es mehr als nur ein Highlight, aber die wurden alle von der herrlichen Syrah Ronnie Melk 2005 (dichtes, frisches Rot, enorme Fruchttiefe in der Nase mit viel roten Beeren, Gewürzen und mediterranen Kräutern, ein wenig Olivenpaste, großes, süßes Extraktpaket, feste Tanninstruktur mit guter Eleganz, großartiger Wein) getoppt.  Das ist mit Sicherheit einer der zwei oder drei besten südafrikanischen Weine aus der Rebsorte.

25. September

Gabelbissen und Haifischtänze

(Kapstadt, 23:30 h) - Fork, Gabel, heißt das Tapas-Restaurant in der Long Street, in dem ich heute mit der Besitzerin von Mont du Toit, Carolina du Toit, zu Abend gegessen habe. Die Tapas waren fast ausnahmslos von ausgezeichneter Qualität: Thunfisch, Kudu, Prawns (die waren etwas schwächer), ein Raviolone und tolle eingelegte Sardinen z. B. Auch die Desserts waren ganz hervorragend - sowohl der Schoko-Kuchen als auch die vier Zitronen-Schmankerl. Anschließend ging es, wie schon vor zwei Jahren, ins Aquarium an der "Waterfront" zum Tanz mit den Haien (die natürlich brav hinter ihrer Glaswand blieben). Der Abend war dem Pebbles Project gewidmet, einem Kinderhilfsprojekt mit Schwerpunkt auf schulischer Bildung. Hier war allerdings deutlich weniger los, als vor zwei Jahren. Vielleicht eine Konsequenz der politischen Krise im Lande?

Eine Messe zum Genießen

(Kapstadt, 19:30 h) - Da gab es vielleicht die eine oder andere Kleinigkeit, die man bemängeln konnte - eher im Umfeld als auf der Messe selbst. Aber die Cape Wine hat sich erneut als eine der angenehmsten und interessantesten Messe des Weltweinbaus erwiesen. Eine so ruhige und professionelle Atmosphäre findet man nur selten, und die Qualität der Weine, die hier ausgestellt wurde, war von einem im Schnitt erstaunlich hohen Niveau. Zwar ändert das nichts an meinen Bemerkungen über gewisse Kommerzialisierungstendenzen, aber insgesamt hinterließ die Cape Wine bei allen Beteiligten, mit denen ich sprechen konnte - Winzern wie Besuchern - einen sehr positiven Eindruck. Die Winzer beklagten sich nicht einmal darüber, dass zeitweise nicht allzu viele Besucher ihre Stände bedrängten, wie das andernorts der Fall ist, sondern erfreuten sich an deren Qualität und an ihrem wirklichen Interesse für die Weine. Erstaunlich, dass jemand wie ich, der unter der Apartheid 15 Jahre lang nicht in dieses Land einreisen konnte, sich hier so wohlfühlt. Cape Wine 2010 ... wir kommen! [...]


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